Fischerei

Fischerei

Einführung

Wenngleich die Fischerei auch in der Region der „South Baltic Four Corners“ zurückgegangen ist, bedeutet das nicht, dass es weniger Fischereigeräte gibt. Besonders im Stettiner Haff und den Rügischen Boddengewässern, können Stellnetze und Pfahlreusen zu einem echten Problem für Segler werden. In jedem Fall schränken sie die Bewegungsfreiheit von Kielyachten ein, denn zumeist können die Netze nicht überfahren, sondern müssen umfahren werden. Die zahlreichen unterschiedlichen Fischereigeräte im Revier können für Segler und Motorbootfahrer zu einem Alptraum werden. Die Markierungen und Signale sind nicht einheitlich und es herrscht oft Unsicherheit darüber, welche Netze man umfahren muss und welche überfahren werden können.

Pfahlreusen

Pfahlreusen werden besonders in flachen Boddengewässern (Rügen, Stettiner Haff) eingesetzt. Sie stehen im rechten Winkel zum Ufer und enden oft erst 200 Meter vom Ufer entfernt in Wassertiefen von bis zu 3 Metern. Im Greifswalder Bodden können die Pfahlreusen erhebliche Längen erreichen. Von Kielyachten können sie nicht landseitig umfahren werden. In der Regel sind die Pfähle jedoch gut sichtbar und werden auch vom Radar geortet.

Stellnetze

Weil Stellnetze oft schlecht markiert sind, können sie zu einer echten Plage für Wassersportler werden. Sie sind bis zu 400 Meter lang und werden durch kleine Schwimmkörper senkrecht im Wasser gehalten. Eine Doppelflagge markiert Anfang und Ende des Netzes, manchmal zeigt ein Ball zusätzlich den Verlauf an. Oft sind die kleinen dunklen Flaggen schon bei Tageslicht schlecht auszumachen, nachts ist es nahezu unmöglich und man sollte in der Fahrrinne bleiben. Es besteht die Gefahr, dass die Kiele die Netze zerreißen oder bei Maschinenbetrieb  das Kunststoffgarn in die Schraube gerät. Beides ist mit erheblichen Kosten verbunden.

Mit Stellnetzen muss man vor allem im Norden Rügens rechnen: zwischen Rügen und Hiddensee, sowie auf dem Breeger und dem Lebbiner Bodden, auch auf dem Greifswalder Bodden östlich Zudar, am Zickerschen Höft, bei Groß Zicker, in Thiessow und vor dem Reddevitzer Höft. Auch im südlichen Stettiner Haff wird auf diese Weise gefischt. In Schweden werden viele verschiedene Fischereigeräte eingesetzt, die oft weit vor der Küste stehen oder schwimmen. 

Wer auf den Gewässern der Ostsee einem oder mehreren Fischkutter begegnet, sollte in jedem Fall die Regel 18 der Kollisionsverhütungsregel (KVR) berücksichtigen: „Fischenden Fahrzeugen muss man ausweichen.“ Wer einem Fischkutter begegnet, kann sich jedoch auch an dessen Markierungen und Signalen orientieren. (s. u.)

Treibnetze

Treibnetze sind dicht unter der Wasseroberfläche treibende netze, die tagsüber mit weißen Bojen und Flaggen, nachts mit weißem Licht markiert sind. Sie sind bis zu 6 Meter hoch und treiben immer in Luv des Kutters. Sie werden durch eine Kette senkrecht im Wasser gehalten. Bei Strömung können sie jedoch auch an die Wasseroberfläche kommen und sollte keinesfalls überfahren werden.

Fischender Trawler

Ein fischender Trawler ist ein Kutter, der ein Netz durchs Wasser zieht. Er zeigt am Tage seinen Signalkörper als Kegelspitze nach unten und Kegelspitze nach oben (Stundenglas), bei Nacht 2 Rundumlichter oben grün, unten weiß und senkrecht übereinander. Dazu, achterlicher und höher als das Rundumlicht, ein weißes Topplicht – wenn das Schiff 50 Meter Länge oder mehr hat. Bei der Fahrt durchs Wasser tragen die Trawler bei Nacht zusätzlich Seitenlicht und Hecklicht.

Fischkutter, die nicht trawlen

Ein Fischkutter, der nicht trawlt trägt am Tage ebenfalls das Stundenglas (Signalkörper als Kegelspitze nach unten und Kegelspitze nach oben). Außerdem trägt er an der Seite, wo das Fanggerät ausgebracht ist einen Kegel mit der Spitze nach oben – jedoch nur, wenn dieses mehr als 150 Meter weit ins Wasser reicht. Nachts markieren 2 Rundumlichter das Fahrzeug, das obere Rot, das untere senkrecht dazu, weiß. Wenn ein ausgebrachtes Fanggerät mehr als 150 Meter weit ins Wasser reicht, sieht man auf der Seite des Fanggerätes zusätzlich ein weißes Licht. Bei der Fahrt durch das Wasser sind zusätzlich Seiten- und Hecklicht eingeschaltet.

Gespannfischerei

Die Gespannfischerei wird vor allem in Skandinavien betreiben. Dabei haben zwei Kutter ein Netz zwischen sich gespannt, das sie bei langsamer Fahrt durch das Wasser ziehen. Manchmal sind die Kutter bis zu 200 Meter auseinander und das Netz hängt bis zu 400 Meter nach hinten hinaus. Es läuft am Ende zu einer Spitze aus und ist dort mit einer Boje markiert. Als „Horror“ bezeichnet der Törnführer Dänemark es, wenn solch ein Gespann aufgrund der geringen Geschwindigkeit plötzlich abdriftet und damit unversehens auf den Segler zufährt und warnt: „Nichts wie weg!“ (Jan Werner, Törnführer Dänemark, Delius Klasing, Bielefeld 2007)