Natur und Umwelt

Natur und Umwelt

Einführung

Die Ostsee gilt als das größte Brackwassermeer der Erde. Sie ist mehr als viertausend Quadratkilometer groß und an manchen Stellen 460 Meter tief. Nur durch das Kattegatt ist sie mit der Nordsee verbunden. Der Gezeitenwechsel ist kaum zu spüren und auch der Salzgehalt ist gering. Die Küstenlandschaft der Ostsee entstand, als sich nach der Eiszeit die Gletscher in Bewegung setzten und ein riesiger Schmelzwassersee entstanden ist. Unter dem Gewicht des Eises senkte sich das Land der südlichen Ostsee ab, einzig Bornholm blieb als Ursteinhöcker stehen und die Insel Rügen entstand als Sedimentinsel aus riesigen Brocken von Kreide und Mergel.

Der Grund der Ostsee ist sehr alt. Er war vor der Eiszeit mit subtropischen Wäldern bedeckt  – der Bernstein, der an vielen Küsten der Ostsee noch heute gefunden wird, entstand aus dem Harz der früheren Urwaldriesen. Die Ostsee selber ist mit 13 000 Jahren relativ jung, daher haben sich kaum einheimische Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Als „Einwanderer“ können sie sich nur schwer entwickeln. Zahlreiche unberührte Naturlandschaften in den Regionen der „South Baltic Four Corners“, sind jedoch heute Schutzräume für seltene Pflanzen und Tieren. Zugvögel machen auf Ihrem Weg von und nach Süden hier Rast. In den zahlreichen Flachwassergebieten nisten oft mehr als hundert Vogelarten. 

Naturschutz

Segler sollten sich stets so verhalten, so dass die Tier- und Pflanzenwelt keinen Schaden nimmt. Es gibt jedoch besonders ausgewiesene Schutzzonen, die zu beachten sind. Aktuelle Seekarten geben genaue Auskunft über die jeweiligen Schutzgebiete und geschützte Küstenstreifen. In manchen Revieren gibt es saisonale Sonderregelungen, außerdem wird oft unterschieden zwischen Booten mit oder ohne Motorbetrieb. Auf Rügen dürfen die Schutzzonen I im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und der Stubnitz unter keinen Umständen befahren werden. Die Inseln im Greifswalder Bodden sind bis auf die Insel Ruden gesperrt. Schutzzonen II dürfen befahren werden, jedoch nicht von motorgetriebenen Booten.

Bornholm (Dänemark)

Die Felseninsel Bornholm besitzt zahlreiche Naturschutzgebiete. Die bedeutendsten sind die Almindinge und Hammerknuden. Südlich der Ruine von Hammershus liegt die wildromantische Landschaft der Schlossheide (Slotslyngen). Wer auf den Wanderwegen durch das 150 ha große Naturschutzgebiet geht, der erlebt Heidelandschaft und Felsen, Moore, Wälder und Seen. Wie die Namen „Troldsbjerg“ und „Troldsmyr“ (Trollmoor) verraten, glaubte man einst, dass dort Trolle leben. Achtzig Meter hoch über dem Meeresspiegel erhebt sich der Granitbuckel Hammerknuden in dem 200 ha großen Gebiet, das unter Naturschutz steht und über einen Uferweg mit südländischem Charme zu erkunden ist.

Mit 3800 ha ist die ehemalige Allmende – von allen Gemeindemitgliedern gemeinschaftlich zu nutzendes Land – das zweitgrößte zusammenhängende Waldgebiet Dänemarks. Almindingen liegt mitten auf der Insel. Hier kommen viele seltene Tierarten vor – unter anderem die letzten Raufußkäuze im ganzen Land. Im Fischerort Vang beginnt das 135 ha große Schutzgebiet Ringbakker. Drei Kilometer von Nekso entfernt liegt Paradisbakkerne. Rund um den „Paradieshügel“ gibt es noch naturbelassene Wälder, Seen und beeindruckende Spaltentäler, für die Bornholm berühmt ist. Die Hochheide steht unter Naturschutz, früher bedeckte sie ein Fünftel der Insel.

Rügen (Deutschland)

Auf Rügen, wie an der gesamten Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns, sind große Landschaftsgebiete noch ursprünglich erhalten. Daher bieten sie vielen Tierarten Lebensraum, die sich woanders nicht mehr aufhalten. Die weltweit größten Rastplätze für Kraniche finden sich in Mecklenburg-Vorpommern. Zeitweise halten sich mehr als die Hälfte des Weltbestandes hier auf. Hunderttausende Seevögel brüten auf den Inseln und auch bei Hiddensee. Auch Kormorane und Seeadler kommen auf Rügen vor. Im Norden der Insel, auf dem Bug bei Dranske, befindet sich ein ehemaliges Militärgebiet, das heute ein einzigartiger Schutzraum für Pflanzen, Vögel und andere Tiere ist. 

Seit 1990 gibt es drei große Schutzgebiete: den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, der die Westküste Rügens einschließt, den Nationalpark Jasmund mit den berühmten Kreidefelsen und das Biosphärenreservat Südost-Rügen. In den Nationalparks ist es je nach ausgewiesener Zone (I oder II) Wasserfahrzeugen mit oder ohne Motor untersagt, die Fahrrinne zu verlassen. Der Küste vorgelagerte Wasserflächen von 0,5 bis 3 Seemeilen sind je nach Schutzgebiet zu beachten. In das Biosphärenreservat Südost-Rügen ist auch die Naturschutzinsel Vilm eingeschlossen, die nur von Schiffen mit Ausnahmegenehmigung angefahren werden darf. Auch die anderen Inseln im Greifswalder Bodden dürfen nicht angefahren werden.

Skåne (Schweden)

Schweden war das erste Land, das schon 1909 seine Natur mit Nationalparks unter besonderen Schutz gestellt hat. Heute gibt es dort eine Vielzahl von Nationalparks und Naturreservaten. „Die Natur stellt den nationalen Reichtum dar, der geschützt und gepflegt werden muss. Jedermann muss Rücksicht und Achtsamkeit beim Umgang mit der Natur an den Tag legen“. Auf dieser Grundlage gilt in Schweden das „Jedermannsrecht“. Es bedeutet, dass jedermann freien Zutritt zu Landschaften und Gewässern hat, sofern er den Leitsatz berücksichtigt. In Schweden darf man in der freien Natur übernachten und sich 24 Stunden lang an einem Platz aufhalten, solange man keine Anwohner stört. Auch Pilze und Beeren dürfen überall gesammelt werden, wenn sie nicht unter Schutz stehen. In Südost-Schweden wird, mit dem 390 ha großen Nationalpark „Stenshuvud“ zwischen Simrishamn und Kivik, eine typische Küstenlandschaft geschützt.

Für Segler ergeben sich besondere Regelungen: Außer an privaten Anlegestellen oder Grundstücken, ist es erlaubt, überall an Land festzumachen oder zu ankern. Auch das Angeln ist frei, solange man private Fischereirechte beachtet. Es ist jedoch streng untersagt, jede Form von Abfall – ob flüssig oder fest – vom Schiff aus in die See zu leiten. Da man ihn auch nicht in der Natur vergraben darf, sollte man die sopmajors nutzen – Abfallbehälter, die in den Naturhäfen und bei Ankerplätzen zur Verfügung stehen. Im Strandbereich und auf steinigem Grund darf man kein offenes Feuer machen, da die Hitze zu Bodenerosion führen kann.

Świnoujście (Polen)

Die Stadt an der Świna, zwischen der Ostsee und dem Stettiner Haff, liegt auf über 40 Inseln. Die größten von ihnen sind Usedom, Wolin und Karsibor. 1960 wurde auf Wolin ein fast 11.000 ha großer Nationalpark eingerichtet. Er schützt die beeindruckende Steilküste, die idyllischen Wälder und die uralten Seen, die schon nach der Eiszeit hier entstanden sind. In einem eigenen Reservat des Nationalparks wurden in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts echte Wisente angesiedelt. Die größten Säugetiere Europas sind vom Aussterben bedroht, von einer Aussichtsplattform können sie im Reservat beobachtet werden.

Das Vogelschutzgebiet (Rezerwat Ptaków) „Karsiborska Kepa“ liegt bei
Kaseburg auf der Insel Wollin. Gelegen auf der Insel gleichen Namens, gehört es der „Allgemeinen Polnischen Vogelschutz Gesellschaft“ und wurde 1993 dank der finanziellen Hilfe durch die österreichische Firma Swarovski Optik gegründet. Das Gebiet in der Nähe von Kaseburg ist rund 180 Hektar groß und bietet zahlreichen Vogelarten Raum, wie dem vom Aussterben bedrohten Seggenrohrsänger. In dem brackigen Wasser der Swine haben sich außerdem seltene Pflanzen angesiedelt, die das Salzwasser lieben. Der „Krähenfußwegerich“ kommt ausschließlich in dieser Region vor. Die naturbelassene Landschaft besteht hauptsächlich aus Feuchtwiesen und ausgedehnten Schilfrohrflächen. Mehr als 140 Vogelarten nisten im Oderdelta. Durch das Vogelschutzgebiet kann man auf guten Wegen ausgedehnte Wanderungen unternehmen, ohne das man vielen Menschen begegnet – dafür aber unzählige Frösche quaken und Regenpfeifer rufen hört.